Zeitreise Buschdorf : Römerzeit

www.buschdorf.de


Die Römer

Die römische Besatzungszeit

Als die Römer frech geworden... Leider nicht zum letzten Mal taucht in der Geschichte der Drang einer Nation auf, die Welt zu beherrschen.

Nun, die Welt war es noch nicht, was damals in den letzten 10 Jahren vor Christi Geburt begann. Die Stämme rechts des Rheins - Germanien genannt - wollten absolut nicht römisch werden, dafür aber war der Bereich links des Rheins - Gallien genannt - fest in römischer Hand, abgesehen von dem bekannten kleinen gallischen Dorf an der Küste...

Buschdorf gab es noch nicht, wohl aber unseren südlichen Nachbarort Bonn, bestehend aus Legionärslager und den zivilen Bereichen. Getrennt waren wir - wie schon unser Win-Win wusste - durch die Gumme - dort, wo heute der Rheindorfer Bach fließt. Aber die Römer hatten inzwischen die Möglichkeiten, Knüppeldämme oder Brücken zu bauen.

Um von Bonn weiter nach Norden zu ziehen, nutzten sie zunächst den Weg entlang des Rheins. Häufiges Hochwasser, oder Veränderungen des Rheinlaufes - in Hersel droht auch heute immer wieder, der Hang abzurutschen - führten zu der Erkenntnis, eine höher gelegene Straße zu bauen. Und zwar so, wie die Römer es mochten: Schnurstraks geradeaus und Seitenwege immer schön rechtwinklig.

Genau diesen Baustil entdecken wir heute noch in unserem Bereich: Kölnstraße, Otto-Hahn-Straße, Friedlandstraße, Engländerweg.

Ab Hersel nahm man es dann nicht mehr so genau, dort folgte die römische Straße alten Wegen, deren Verlauf durch die Landschaft vorgegeben war.


Archäologie im Buschdorfer Bereich

Archäologen haben herausgefunden, dass es in den ersten Jahrhunderten im Süden und im Norden des heutigen Buschdorfer Gewerbegebietes, entlang des verschwundenen Dellwegs römische Siedlungsstellen gab. Wahrscheinlich gab es einen dritten Hof im Bereich Buschdorfer Straße / Friedlandstraße.

Es gab grundsätzlich kleinere Höfe als Pachtland für Soldaten, die größeren waren komfortabler (Ruhestandssitze für ausgediente Soldaten) und laufen heute unter dem Namen "Villa Rustica". Gemeinsam war ihnen, dass dort Landwirtschaft betrieben wurde, um die Soldaten und Bewohner von Bonn zu versorgen. Es handelte sich in der römischen Zeit aber stets um Einzelhöfe, Bauerndörfer waren nicht üblich, so dass wir also nicht von einem römischen Dorf als Ursprung von Buschdorf reden können.

Dies schildert Professor Michael Gechter sehr anschaulich u.a. in seinem Artikel: "Zur ländlichen Besiedlung des Rheinlandes in römischer Zeit" (Bonner Jahrbücher des Rheinischen Landesmuseums in Bonn im Landschaftsverband Rheinland und des Vereins von Altertumsfreunden im Rheinlande Jg. 186; S. 377)


Die Handlung des Filmes greift folgende römische Funde in Buschdorf auf:


Hof im südlichen Gewerbegebiet

Scherben, Ziegel, und Münzen sind Anzeichen für einen ehemaligen Hof, auch wurde dort 1984 der große Sarg gefunden wurde, der heute im Original auf dem Buschdorfer Friedhof steht. Er trägt die Kennung: AP - wozu es aber keine historische Deutung gibt.

Raymund Gottschalk weist in seiner Arbeit "Studien zu spätrömischen Grabfunden in der südlichen Niederrheinischen Bucht" (2003) darauf hin, dass die Zugehörigkeit des Sarges zu einer nordöstlich davon gelegenen Siedlungsstelle nicht nachgewiesen ist. Im Film wird allerdings davon ausgegangen. Das Gebäude des Hofes ist ein Nachbau, der in der Eifel bei Duppach vom Archäologischen Förderverein erstellt wurde.

Das im Film sichtbare Siebengebirge war noch weitgehend unberührt, Steinbrüche haben das Aussehen zwischenzeitlich deutlich verändert.

Der genannte Hof in der Nähe der heutigen Aegidiuskapelle wird in der archäologischen Literatur nicht genannt, da wesentliche Funde in diesem Bereich - wie eine sehr tiefe Mauer und ein Brunnen - nicht weiter wissenschaftlich untersucht wurden. Untersucht und dokumentiert wurden in diesem Bereich zwei römische Särge (ehemalige Kies- und Sandgrube, jetziger Spielplatz) und der Matronenstein (1964 unter der Buschdorfer Straße entdeckt).

Setzt man alle Fakten zusammen, kann aber mit großer Wahrscheinlichkeit ein Hof in diesem Bereich angenommen werden. Matronensteine - sie verehren die einheimischen Gottheiten - standen bei den Römern nie allein am Wegesrand, sondern zusammen mit Tempeln, die den römischen Göttern gewidmet waren.

Im Film wird letzteres am Beispiel eines Tempels in Marcomagus gezeigt, ein Ort, der zur Zeit in Nettersheim/Eifel untersucht wird.

Einen Sarghändler gab es tatsächlich in Bonn, berichtet Prof. Gechter, der auch den Hinweis auf das Eichelnsammeln in Waldteilen gab, die dem Hof zugeordnet waren.

Das Erscheinen der Franken im Eichenkamp (Existenz des Waldes zur Römerzeit ist nicht belegt) ist charakteristisch für eine ganze Reihe von Versuchen, die Römer zu vertreiben. Die Frankenkrieger waren größer und stärker als die Römer, aber unzivilisiert. Die hohe Reinlichkeitskultur der Römer zum Beispiel verschwand wieder (Zu besichtigen im Albertinum in Bonn).


Überblick über die römischen Sargfunde

Da nicht alle römischen Sargfunde im Film verwendet wurden, hier eine kurze Übersicht über die drei Funde in der Reihenfolge ihrer Entdeckung:


1869: Die Zeitschrift "Das Ausland" berichtet:

"Eine römische bleierne Todtenkiste mit einem Menschenskelett
Im Monat Juli d. J. entdeckte ein Arbeiter bei Buschdorf, im Landkreise Bonn, eine Stunde von dieser Stadt, beim Ausgraben des Sandes in einer Sandgrube eine sechs Fuß lange bleierne Todtenkiste. Sie fiel herab und zerbrach in viele Stücke, da sie sehr oxydirt und dadurch leicht zerbrechlich war."

Schätzung: 4./5. Jahrhundert


1884: Joseph Klein: Jahrbücher des Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinlande (Bonner Jahrbücher) Band 77, 1884:

Aschenreste und Münzen, Fläschchen aus blauem Glas

Dieser Joseph Klein war seinerzeit Leiter des Bonner Provinzialmuseums (heute Landesmuseum Bonn) und gehörte nicht zu der Familie Klein in Buschdorf, wie Grünkorn behauptet hat.

Schätzung: 1. Hälfte 4. Jahrh (Anna Barbara Follmann Schulz in "Die römischen Gläser aus Bonn" 1988 )


1984


Mit freundlicher Genehmigung des LVR Bonn
Raymund Gottschalk 2003 (s.o.) schreibt: " Südwestlich der Kreuzung Antilopenweg/Dellweg wurde eine Körperbestattung in einem Sarkophag aus sog. Lothringer Kalkstein aufgedeckt, der Deckel ist flach. Eine Bronzemünze (Faustina II) lag im Mundbereich, weitere Beigaben außerhalb des Sarges. Der im Bonner Jahrb. 186, 1986, 598 in die Zeit um 280 datierte Sarkophag aus Buschdorf ist nach Ausweis der Funde ... nicht spätantik, sondern bereits ins ausgehende 2. Jahrhundert zu datieren (etwa um 180 n.Chr.)


Klima-Info
Die Zeit des großen Römischen Reichs ist eine Zeit eines "ideale Klimas" für ein derartiges Vorhaben. Im Süden des Imperiums (südlich des Mittelmeers) wird in großem Maße Getreide angebaut, das die Handelsflotte nach Italien bringt, und von dort aus kann es über die Alpen dank mäßigen Temperaturen bis in die nördlichen Provinzen transportiert werden. Wenn dort politische Unruhen auftraten, und die Truppen vor Ort Unterstützung brauchten, konnten weiter Truppen von Rom aus - ebenso über die Alpen - die Kampfstärke erhöhen.

Im Laufe der ersten Jahrhunderte funktionierte das Reich hervorragend - auch wenn den Römern gelegentlich mal die Grenzen ihrer Macht klargemacht wurden.

Aber wieder einmal macht eine Klimaänderung einen Strich durch die Rechnung. Bereits ab 250 n.Chr. und besonders ab 450 setzen kalte Winter und feuchte Sommer ein.

Ganzer Völkerscharen zog es in Richtung Westen. Und zusätzlich wurden die Verbindung nach Rom behindert wegen mehr Schnee und Eis in den Alpen. So kam es also zum Ende des römischen Gastspiels bei uns. "Klima macht Gechichte" - sagt man.

Wie ging es dann weiter? 536 soll der Vulkan Ilopango in Südamerika seine Asche in die höchsten Schichten der Atmosphäre gebracht haben, was weltweit zu starker Schwächung des Sonnenlichtes führte. Bis in das 9. Jahrhundert dauert, dieses frühmittelalterliche "Pessimum" an - nicht zu verwechseln mit der späteren "kleinen Eiszeit".


Making-of
Die Handlung ist frei erfunden und kann so nicht stattgefunden haben, da alle Einzelfakten aus unterschiedlichen Abschnitten der römischen Zeit stammen.

Die Idee zum Unfall nahe der heutigen Kapelle entstand 2013 bei Dreharbeiten zum Film über das Maibaumaufstellen in Buschdorf, als doch tatsächlich ein aus der Friedlandstraße herausfahrendes Auto den Transport-Konvoi der Freiwilligen Feuerwehr Buschdorf erschreckte, zum Glück diesmal ohne jeden Sachschaden.



www.buschdorf.de

Geschichten aus der Römerzeit Zurück